Diagnoseschlüssel

Ein Diagnoseschlüssel ist eine festgelegte (standardisierte) Liste von möglichen Diagnosen in einer bestimmten Anordnung, die ihre logischen Zusammenhänge widerspiegelt. Jede Diagnose ist mit einem eindeutigen Zahlencode versehen.

Die Diagnosen sind in verschiedenen Gruppen (z.B. Eutererkrankungen oder Fortpflanzungsstörungen) zusammengefasst, und jede einzelne dieser Diagnosegruppen enthält unterschiedlich viele Diagnose-Einträge. Jeder Eintrag kann wiederum Unterpunkte haben, die für genauere Diagnosen stehen.

Es gibt verschiedene Schlüssel, die jeweils unterschiedlich viele Einträge enthalten. Für die tägliche Arbeit im Betrieb ist zwar nicht entscheidend, welcher Schlüssel in der Managementsoftware verwendet wird, aber es ist für die Auswertungen bei GKUHplus wichtig, dass die Daten in einem einheitlichen Schema an das Rechenzentrum gesendet werden. Hierfür erhalten die Betriebe Unterstützung von ihrem GKUHplus-Betreuer, der die nötigen Einstellungen in der Software hinterlegt und die Verwendung einer Auswahl sogenannter Standarddiagnosen erläutern kann. Daher ist ein allgemeines Verständnis der Schlüssel durchaus hilfreich.

Lokalisation

Wenn für eine Diagnose eine genaue Stelle am Tier mit erfasst werden soll, gibt es sogenannte Lokalisationen. Hierüber kann notiert werden, dass beispielsweise die vordere linke Klaue (oder auch noch genauer: die vordere linke Außenklaue) oder das Euterviertel hinten rechts betroffen ist.

Codierungsprinzip

Hier sind exemplarisch die ersten Kategorien des Standdarddiagnoseschlüssels abgebildet. Auf der obersten Ebene finden sich die verschiedenen Gruppen von Diagnosen, für die eine Erfassung erfolgen kann (zum Öffnen einfach auf eine der Bezeichnungen klicken). Innerhalb jeder Diagnosegruppe gibt es eine unterschiedliche Anzahl von Diagnosen, die direkt für die Erfassung ausgewählt werden können. Zum Teil gibt es auch noch eine weitere Aufgliederung (zusätzliche Ebene), die eine genauere datenerfassung ermöglicht..

Alle Einträge sind – wie Kapitel in einem Fachbuch – nummeriert, wobei jede Untergruppe den Code um eine weitere Stelle erweitert. Die obersten Ebenen sind beispielweise mit 1, 2, 3 codiert. Die ersten Unterpunkte wären entsprechend 1.1, 2.1 und 3.1.

1. Erkrankungen des Bewegungsapparates

1.1. Klauenrehe

1.1.1. Weiße-Linie-Defekt

1.1.2. Wandläsion / Eitrig hohle Wand

1.1.3. Doppelte Sohle

1.2. Ballenhornfäule

1.3. Klauenfäule (D.interdigitalis)

1.4. Mortellarosche Krnkh. (D.digitalis)

1.5. Phlegmone (Schwellung des Unterfußes)

1.5.1. Zwischenzehenphlegmone(Panaritium)

1.5.2. Schwellung des Kronsaums

1.6. Sohlengeschwür

1.6.1. Steingalle (Druckstelle)

1.6.2. Rusterholz'sches Sohlengeschwür

1.6.3. Sohlenspitzengeschwür

1.6.4. Klauensohlengeschwür in untypischer Lokalisation (KSG)

1.7. Limax(Tylom)

1.8. Hornspalt

1.9. Sonstiges

1.9.1. Liegebeule

1.9.1.1. Liegebeule Karpalgelenk

1.9.1.2. Liegebeule Sprunggelenk

1.9.2. Durchtritt

1.9.3. Gelenkerkrankung

1.9.4. Nervenlähmung

1.9.5. Knochenbruch/-erkrankung

1.9.6. Muskelriss

1.9.7. Verletzungen

1.9.8. Sehnenerkrankung

1.9.9. Lahmheit

2. Eutererkrankungen

2.1. Euterabszess

2.2. Euterekzem

2.3. Mastitis nach Ursachen, Erregern (ätiologisch)

2.3.1. Streptokokken

2.3.1.1 Sc. agalactiae (Gelber Galt)

2.3.1.2. Sc. dysgalactiae

2.3.1.3 Sc. uberis

2.3.1.4. Andere Streptokokken

2.3.2. Mikrokokken

2.3.2.1. S. aureus

2.3.2.2. CNS / koagulasenegative Staphylokokken

2.3.2.3. Andere Staphylokokken

2.3.3. Enterobakterien

2.3.3.1. coliforme Keime

2.3.3.2. Klebsiellen

2.3.3.3. Andere Enterobakterien

2.3.4. Andere Bakterien

2.3.4.1. A. pyogenes

2.3.4.2. Mykoplasmen

2.3.4.3. Hefen

2.3.4.4. Prototheken

2.3.5. Sonstige

2.4. Mastitis nach Ausbreitung, Umfang (deskriptiv)

2.4.1. Mastitis-chronisch

2.4.2. Mastitis-akut

2.4.3. Mastitis-phlegmonosa

2.4.4. Mastitis-apostematosa

2.4.5. Mastitis-gangraenosa

2.4.6. Mastitis granulomatosa

2.4.7. Mastitis subklinisch

2.5. Zitzen-/Euterverletzungen

2.6. Melkbarkeitsstörungen-Schwer-,Langmelker

2.6.1. Euterformfehler (Euter zu tief, Zitzen zu lang)

2.6.2. Dreistrich/Zweistrich

2.6.3. Strichkanalverengung, -verschluss (Stenosen)

2.9. Sonstige

2.9.1. Bluterguss / Euterhämatom

2.9.2. Blutmelken

2.9.3. Path.Euterödem

2.9.4. Warzen

2.9.5. Euterhautveränderungen

3. Fortpflanzungsstörungen

3.1. Verkalbung/Embryonaler Frühtod

3.1.1. Abort

3.1.2. Frühgeburt

3.2. Geburtsstörungen

3.2.1. Geburtsverletzungen

3.2.2. Gebärmuttervorfall/Scheidenvorfall

3.2.3. Gebärmutterverdrehung

 

Auf den nächsten Seiten werden nun die drei gebräuchlichen Diagnoseschlüssel vorgestellt, die als solche auch in der ADR-Empfehlung 3.1.1 zur Gesundheitsdatenerfassung (Download als PDF hier) angesprochen werden.